Offener Brief des Zentrums zur Integration iranischer Immigranten e. V.
An den Vorstand der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, an die Führung der FDP und an alle Verantwortlichen der geplanten Preisverleihung am 7. November 2026 in der Paulskirche
OFFENER BRIEF
An den Vorstand der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, an die Führung der FDP und an alle Verantwortlichen der geplanten Preisverleihung am 7. November 2026 in der Paulskirche
Betreff: Verleihung des Freiheitspreises 2026 an Reza Pahlavi
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Bestürzung und scharfem Widerspruch nehmen wir zur Kenntnis, dass die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Reza Pahlavi, den Sohn des letzten Schahs, ausgewählt hat, den Freiheitspreis 2026 „treuhänderisch“ für das iranische Volk entgegenzunehmen.
Diese Entscheidung ist weder durch die dokumentierte Geschichte des Pahlavi-Regimes noch durch Reza Pahlavis eigene Aussagen zu rechtfertigen. Sie steht in fundamentalem Widerspruch zu den Werten, die ein Freiheitspreis und eine liberale Stiftung zu vertreten vorgeben.
Das Pahlavi-Regime war ein Folterstaat.
Amnesty International hat dies in seinem Newsletter vom Januar 1979 (Volume IX Number 1) unmissverständlich dokumentiert. Der Bericht „New Evidence collected of torture in Iran“ basiert auf einer zweiwöchigen Mission im November 1978 und auf Aussagen von über 60 entlassenen Gefangenen, Angehörigen und Anwälten. Er belegt die systematische Praxis der Folter durch SAVAK und Polizei über mindestens 15 Jahre hinweg – trotz wiederholter öffentlicher Zusicherungen des Schahs, die Praxis sei eingestellt. Zu den dokumentierten Methoden gehörten Falanga (Schlagen der Fußsohlen), Schläge mit Kabeln, Verbrennungen mit Zigaretten, erzwungene Schlaflosigkeit, Nessel-Anwendungen an empfindlichen Körperstellen und lange Isolationshaft. Es gab Berichte über Todesfälle unter der Folter und Verschwundene. Das Regime verstieß damit gegen die eigenen Zusagen und gegen internationales Recht.
Diese Fakten sind nicht verhandelbar. Sie bilden das dunkle Erbe, auf das Reza Pahlavi sich in Interviews ausdrücklich stolz bezogen hat: „I am proud of the heritage of my grandfather and father.“ Eine solche uneingeschränkte Identifikation mit dem politischen Erbe einer Diktatur, deren Sicherheitsapparat systematisch folterte, lässt sich nicht mit einem glaubwürdigen Bekenntnis zur Demokratie vereinbaren. Demokratie steht in diametralem Gegensatz zu Folter und politischer Repression. Wer das Erbe eines solchen Regimes als Ganzes rühmt, ohne klare, ausdrückliche und wiederholte Distanzierung von den Menschenrechtsverbrechen, kann nicht als Symbol für Freiheit gelten.
Die Argumentation der Stiftung ist ein Ausweichmanöver.
Die Behauptung, der Preis gelte dem iranischen Volk und Pahlavi nehme ihn lediglich treuhänderisch entgegen, dient offenkundig dem Zweck, Proteste zu dämpfen und einen Deckmantel für die Aufwertung des Sohnes des ehemaligen Diktators zu schaffen. Ein Freiheitspreis, der in der Paulskirche – einem historischen Symbol der deutschen Demokratie – verliehen wird, darf nicht dazu instrumentalisiert werden, eine hochumstrittene, polarisierende Figur zu legitimieren, die sich nicht klar von der Folterpraxis und der autoritären Herrschaft ihrer Familie distanziert. Wer das iranische Volk ehren will, ehrt es nicht, indem man dem Sohn des Mannes die Bühne gibt, dessen Regime genau dieses Volk systematisch unterdrückt und gefoltert hat.
Die Stiftung und die ihr nahestehende FDP müssen sich fragen lassen, welche Maßstäbe sie anlegen. Wer heute die Verbrechen des Schah-Regimes relativiert oder durch die Hintertür rehabilitiert, untergräbt die Glaubwürdigkeit liberaler und menschenrechtlicher Prinzipien. Die islamische Republik ist ein verbrecherisches Regime – das rechtfertigt jedoch nicht, das vorherige Regime zu verklären oder seinen Erben unreflektiert aufzuwerten. Wir fordern Sie auf, die Entscheidung zu revidieren. Ein Freiheitspreis verdient einen Empfänger oder eine Empfängerin, die klar und glaubwürdig für Menschenrechte und gegen jede Form von Folter und Diktatur stehen – unabhängig davon, ob sie von Monarchie oder Theokratie ausgeht. Reza Pahlavi erfüllt diese Voraussetzung nach seinen eigenen Aussagen und angesichts der dokumentierten Geschichte nicht.
Mit der Erwartung einer klaren Antwort
Mehran Mirzaie; Hossein Yaghobi
für den Vorstand
Zentrum zur Integration iranischer Immigranten e. V.
28.10.2026

28. Oktober 2026 @ 16:59
Verdient ein Sohn, der stolz auf die Diktatur seines Vaters und Großvaters ist, die SAVAK stärkt und sogar die Bombardierung Israels und der USA fordert, wirklich einen Friedenspreis?
#PahlaviAusladen
#No2shahNo2Mullahs
#FreeIran