Die Verleihung des „Freiheitspreises“ an Reza Pahlavi ist ein Affront gegen die Menschen im und außerhalb Irans, die einen hohen Preis für Freiheit bezahlen
Protestschreiben an Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit / Die Partei der FDP
Herrn Steffen Saebisch, Vorsitzenden des Vorstands
Herrn Florian Rentsch, Vorsitzenden des Kuratoriums
Herrn Mario Burow, Hauptgeschäftsführer
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Potsdam
Herrn Wolfgang Kubicki
Vorsitzender der Freien Demokratischen Partei Deutschlands
FDP-Bundesgeschäftsstelle Berlin
Sehr geehrte Herren,
wir sind eine Gruppe von im Ausland lebenden Iranerinnen und Iranern, die aktiv an Demonstrationen und Protesten gegen das iranische Regime teilnehmen. In den vergangenen Jahren wurden wir wiederholt von Schlägerbanden, die mit Reza Pahlavi verbunden sind, angegriffen, geschlagen und misshandelt sowie aufs Schwerste beleidigt und mit übelsten Beschimpfungen überzogen. Diese körperlichen Übergriffe führten in vielen Fällen zu Bewusstlosigkeit, schweren körperlichen Verletzungen, Kopfverletzungen und Krankenhausaufenthalten. In zahlreichen Fällen laufen derzeit in verschiedenen Ländern staatsanwaltschaftliche und polizeiliche Ermittlungen beziehungsweise Gerichtsverfahren.
Bei diesen Gewalttaten handelt es sich nicht um vereinzelte, isolierte Vorfälle, sondern um eine organisierte, länderübergreifende Bewegung, die in europäischen Ländern, den USA, Kanada und Australien in ähnlicher Weise auftritt. Zu ihren offiziellen Parolen gehören „Tod den Linken“, „Tod den Volksmudschahedin“ und „Tod den Separatisten“ (womit ethnische Minderheiten gemeint sind). Reza Pahlavi hat diese Parolen und Angriffe nicht nur nicht verurteilt, sondern sich wiederholt mit den Angreifern getroffen. Viele der Angreifer gehören zu den Organisatoren von Demonstrationen seiner Anhänger und stehen mit seinem Büro in Kontakt.
Derzeit befinden sich zwei Personen, die an Treffen mit Reza Pahlavi teilgenommen haben, wegen des Vorwurfs der Ermordung des iranischen Wissenschaftlers und Monarchiegegners Masoud Masjoudi in Vancouver, Kanada, in Haft. Reza Ebrahimi, der am 19. September in Kanada Reza Pahlavi und dessen Ehefrau getroffen und sich mit ihnen fotografieren lassen hatte, griff am 22. September eine große Demonstration von Iranerinnen und Iranern vor den Vereinten Nationen in New York an, die gegen die Anwesenheit des Präsidenten des iranischen Regimes protestierten. Dabei verletzte er einen Demonstranten. Er wird inzwischen von der Staatsanwaltschaft in New York strafrechtlich verfolgt.
Reza Pahlavi hat die Unterdrückung, Folter und Hinrichtungen unter dem Schah nicht nur nicht verurteilt, sondern die Bilanz seines Vaters wiederholt verteidigt und sich stolz darauf gezeigt. Er strebt die Wiederherstellung desselben despotischen Systems an und hat bereits damit begonnen, die SAVAK, die gefürchtete Geheimpolizei des Schahs, wiederaufzubauen.
Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, den „Freiheitspreis 2026“ dem iranischen Volk zu verleihen, zwar richtig und begrüßenswert. Ihn jedoch Reza Pahlavi zu übergeben, ist ein Dolchstoß ins Herz der Iranerinnen und Iraner im In- und Ausland, die seit Jahrzehnten unter der Parole „Weder Schah noch Scheich“ für Demokratie und Volkssouveränität im Iran kämpfen.
Aus diesem Grund bitten wir die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit respektvoll, ihre Entscheidung zu überdenken und den Preis so lange bei sich zu behalten, bis er gewählten Vertreterinnen und Vertretern des iranischen Volkes übergeben werden kann. Damit würde die Stiftung zeigen, dass sie dem grundlegenden Prinzip der Demokratie verpflichtet ist: dem Recht der Menschen, ihre Vertreterinnen und Vertreter frei zu wählen.
Mit freundlichen Grüßen
129 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
