Protest gegen die geplante Auszeichnung von Reza Pahlavi – Forderung nach sofortiger Rücknahme der Entscheidung!
Sehr geehrte Damen und Herren der Friedrich-Naumann-Stiftung,
mit großer Bestürzung und Nachdruck protestieren wir gegen die geplante Preisverleihung an Reza Pahlavi durch die Friedrich-Naumann-Stiftung.
Wir fordern die Friedrich-Naumann-Stiftung hiermit ausdrücklich auf, die geplante Auszeichnung zurückzunehmen und die Preisverleihung abzusagen.
Eine Stiftung, die sich auf die Tradition des Liberalismus, der Menschenrechte, der individuellen Freiheit, der Rechtsstaatlichkeit und der Demokratie beruft, muss sich fragen lassen, welche politische Botschaft sie mit einer solchen Auszeichnung aussendet. Eine Ehrung ist niemals lediglich eine persönliche Würdigung. Sie ist ein politisches Signal und verleiht der ausgezeichneten Person und ihren politischen Positionen öffentliche Legitimität.
Gerade deshalb ist die geplante Auszeichnung aus unserer Sicht nicht nur politisch falsch, sondern ein Affront gegen all jene Menschen, die im Iran seit mehr als einem Jahrhundert unter Folter, politischer Verfolgung, Gefängnis, Hinrichtungen und staatlicher Repression gelitten haben und weiterhin leiden. Dazu gehören die Opfer der Repression unter der Monarchie ebenso wie die Opfer der Islamischen Republik.
Eine demokratische und liberale Institution kann diese Geschichte nicht ausblenden. Wer heute einen Vertreter der Pahlavi-Dynastie auszeichnet, muss sich mit der politischen und menschenrechtlichen Bilanz dieser Herrschaft auseinandersetzen. Eine liberale Stiftung darf Geschichte nicht selektiv betrachten und darf insbesondere nicht den Eindruck erwecken, als ließe sich die politische Vergangenheit der Pahlavi-Dynastie von den dokumentierten Repressionen und Menschenrechtsverletzungen ihrer Herrschaft trennen.
Das Erbe der Pahlavi-Herrschaft ist keine Nebensache
Reza Pahlavi erklärte in einem Interview: „I am proud of the heritage of my grandfather and my father.“
Eine solche Aussage wirft gerade angesichts der historischen Bilanz der Pahlavi-Herrschaft erhebliche Fragen auf. Sie verlangt eine kritische Auseinandersetzung damit, wie Reza Pahlavi selbst das politische Erbe seines Großvaters und seines Vaters bewertet und welche Konsequenzen daraus für eine Auszeichnung durch eine liberale Stiftung gezogen werden.
Eine Stiftung, die für Menschenrechte und demokratische Selbstbestimmung eintritt, darf eine solche Frage nicht umgehen.
Einschüchterung und Gewalt gegen andere Oppositionelle
Besonders alarmierend sind darüber hinaus die Vorwürfe gegen Teile des Umfelds von Reza Pahlavi.
Die ARD-Sendung „Kontraste“ vom 28. Mai 2026 hat unter dem Titel „Wie gespalten ist die iranische Opposition?“ ausführlich über die Spaltung der iranischen Opposition sowie über Vorwürfe von Anfeindungen und Bedrohungen gegen Journalistinnen, Journalisten und andere Kritiker aus dem Umfeld der Monarchisten berichtet.
ARD-Mediathek: „Wie gespalten ist die iranische Opposition?“
Diese Vorwürfe sind keine Vorgänge, die eine demokratische Stiftung ignorieren darf. Sie müssen vielmehr sorgfältig geprüft und bei einer politischen Auszeichnung angemessen berücksichtigt werden.
Wer Demokratie und politische Freiheit verteidigt, darf Einschüchterung, Drohungen oder Gewalt gegen politische Gegner nicht relativieren – unabhängig davon, aus welchem politischen Lager sie kommen.
Eine Preisverleihung darf keine politische Lobbykampagne legitimieren
Vor diesem Hintergrund stellt sich eine weitere grundsätzliche Frage: Auf welcher Grundlage wurde die geplante Preisverleihung initiiert und politisch vorangetrieben?
Wenn politische Lobbyarbeit maßgeblich dazu beigetragen hat, diese Auszeichnung zustande zu bringen, muss sich die Friedrich-Naumann-Stiftung die Frage gefallen lassen, ob sie sich damit für die Interessen einer bestimmten politischen Strömung instrumentalisieren lässt.
Besonders schwer wiegt dabei die Rolle von Bijan Djir-Sarai.
Es stellt sich die Frage, ob seine politische Lobbyarbeit zugunsten der monarchistischen Strömung um Reza Pahlavi dazu beiträgt, die FDP weiter von jener liberalen Tradition zu entfernen, die Persönlichkeiten wie Gerhart Baum, Burkhard Hirsch und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verkörpert haben – oder ob sie tatsächlich dazu beiträgt, liberale Werte zu verteidigen.
Diese Frage müssen gerade die klugen und demokratisch überzeugten Politikerinnen und Politiker innerhalb der FDP ernst nehmen und beantworten.
Wir fordern die Rücknahme der Auszeichnung
Die geplante Auszeichnung muss zurückgenommen werden.
Es reicht aus unserer Sicht nicht aus, die geäußerte Kritik zur Kenntnis zu nehmen oder die Entscheidung lediglich zu erläutern. Die Friedrich-Naumann-Stiftung sollte ihre Entscheidung angesichts der genannten historischen, politischen und menschenrechtlichen Fragen grundsätzlich überprüfen und die geplante Preisverleihung absagen.
Eine solche Entscheidung diskreditiert die Stiftung und beschädigt ihren Ruf als Institution, die für Liberalismus, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Selbstbestimmung stehen sollte.
Vor allem aber ist die Auszeichnung ein Affront gegenüber den unzähligen Menschen, die im Iran über Generationen hinweg für Freiheit und Demokratie gekämpft haben und dafür verfolgt, gefoltert, inhaftiert oder getötet wurden.
Gerade eine deutsche politische Stiftung sollte wissen, dass Menschenrechte nicht davon abhängig gemacht werden dürfen, wer politisch gerade als nützlicher Verbündeter erscheint.
Wer die Opfer von Repression ernst nimmt, darf nicht gleichzeitig jene politischen Kräfte auszeichnen, deren historisches Erbe und deren gegenwärtige politische Positionen in zentralen Fragen der Demokratie, der Gewaltfreiheit und der politischen Selbstbestimmung ungeklärt oder höchst umstritten sind.
Deshalb fordern wir die Friedrich-Naumann-Stiftung unmissverständlich auf, die geplante Auszeichnung von Reza Pahlavi zurückzunehmen und die Preisverleihung abzusagen.
Eine Auszeichnung dieser Art ist nicht alternativlos. Ihre Rücknahme wäre kein Zeichen von Schwäche, sondern ein notwendiges Signal dafür, dass die von der Stiftung vertretenen liberalen und menschenrechtlichen Grundsätze tatsächlich Vorrang vor kurzfristigen politischen Interessen haben.
Wir erwarten, dass die Stiftung diese Entscheidung ernsthaft überprüft und die notwendigen Konsequenzen zieht.
Mit freundlichen Grüßen
Hossein Yaghobi
Deutsch-Iranische Gesellschaft in Deutschland- BW
