{"id":7603,"date":"2026-01-24T10:57:58","date_gmt":"2026-01-24T09:57:58","guid":{"rendered":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/?p=7603"},"modified":"2026-01-24T13:11:57","modified_gmt":"2026-01-24T12:11:57","slug":"wenn-projektionen-analyse-ersetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/2026\/01\/24\/wenn-projektionen-analyse-ersetzen\/","title":{"rendered":"Wenn Projektionen Analyse ersetzen! Reza Pahlavi und ein irritierender Auftritt bei den ARD-Tagesthemen"},"content":{"rendered":"<!--themify_builder_content-->\n<div id=\"themify_builder_content-7603\" data-postid=\"7603\" class=\"themify_builder_content themify_builder_content-7603 themify_builder tf_clear\">\n                    <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_row themify_builder_row tb_tej1279 tb_first tf_w\">\n                        <div class=\"row_inner col_align_top tb_col_count_1 tf_box tf_rel\">\n                        <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column tb-column col-full tb_b48f280 first\">\n                            <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_subrow themify_builder_sub_row tf_w col_align_top tb_col_count_2 tb_yuhy280\">\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column sub_column col4-2 tb_n4te280 first\">\n                    <!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_7br7280   tb_text_dropcap\" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n        <p><span style=\"color: black;\">Die Berichterstattung der ARD-Tagesthemen vom 23. Januar 2026 \u00fcber den Aufstand im Iran und die prominente, weitgehend unkritische Pr\u00e4sentation Reza Pahlavis, des Sohnes des letzten iranischen Monarchen, wirft grundlegende Fragen an das journalistische Selbstverst\u00e4ndnis \u00f6ffentlich-rechtlicher Nachrichtenformate auf. Was als Einordnung eines revolution\u00e4ren Moments angek\u00fcndigt war, geriet zu einer politischen Projektion: zur medialen Aufwertung einer Exilfigur, deren demokratische Legitimation ebenso ungekl\u00e4rt ist wie die Tragf\u00e4higkeit ihres politischen Programms.<\/span><\/p>\n<p>In revolution\u00e4ren Momenten w\u00e4chst der mediale Druck, Gesichter zu liefern. Bewegungen sind schwer erz\u00e4hlbar, Gesellschaften widerspr\u00fcchlich, Forderungen vielstimmig. Einzelpersonen hingegen passen in Sendeformate. Dass diese Logik gef\u00e4hrlich sein kann, hat die j\u00fcngere Geschichte mehrfach gezeigt. Der Irak ist eines der bekanntesten Beispiele: Auch dort wurde mit Ahmad Dschalabi eine Exilfigur aufgebaut, die Anschlussf\u00e4higkeit versprach, Ordnung suggerierte und am Ende Teil einer politischen Katastrophe wurde. Der Iran sollte nicht auf \u00e4hnliche Weise medial vereinfacht werden.<\/p>\n<p>Der gegenw\u00e4rtige Aufstand im Iran richtet sich nicht gegen ein einzelnes Regime, sondern gegen ein System politischer Bevormundung.\u00a0<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->        <\/div>\n                    <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column sub_column col4-2 tb_mz71282 last\">\n                    <!-- module image -->\n<div  class=\"module module-image tb_texc4 image-top   tf_mw\" data-lazy=\"1\">\n        <div class=\"image-wrap tf_rel tf_mw\">\n            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1179\" height=\"1216\" src=\"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo.jpg\" class=\"wp-post-image wp-image-7621\" title=\"Hebdooooo\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo.jpg 1179w, https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo-291x300.jpg 291w, https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo-993x1024.jpg 993w, https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo-768x792.jpg 768w, https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo-150x150-47x48.jpg 47w\" sizes=\"auto, (max-width: 1179px) 100vw, 1179px\" \/>    \n        <\/div>\n    <!-- \/image-wrap -->\n    \n        <div class=\"image-content\">\n                        <div class=\"image-caption tb_text_wrap\">\n            In sozialen Medien verbreitete Karikatur der franz\u00f6sischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo.        <\/div>\n        <!-- \/image-caption -->\n            <\/div>\n    <!-- \/image-content -->\n        <\/div>\n<!-- \/module image -->        <\/div>\n                    <\/div>\n        <!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_j2mb513   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n        <p>Er wendet sich gegen die religi\u00f6se Diktatur der Islamischen Republik ebenso wie gegen die autorit\u00e4re Vergangenheit der Monarchie. Seit Jahren bringen Demonstrierende diesen Anspruch unmissverst\u00e4ndlich zum Ausdruck:<br \/><strong>\u201eNein zur Diktatur \u2013 weder Schah noch Mullah.\u201c <\/strong>Wer diesen Ruf ernst nimmt, kann ihn nicht ignorieren, wenn \u00fcber m\u00f6gliche politische Zukunftsentw\u00fcrfe gesprochen wird.<\/p>\n<p>Gerade deshalb wirkt die Darstellung Reza Pahlavis als zentrale Referenzfigur irritierend. Sie suggeriert Repr\u00e4sentation, wo gesellschaftliche Distanz besteht, und F\u00fchrungsanspruch, wo demokratische Legitimation fehlt. Warum diese Inszenierung nicht nur journalistisch fragw\u00fcrdig, sondern gesellschaftlich problematisch ist, zeigt sich bei genauerer Betrachtung.<\/p>\n<p><strong>Die ungel\u00f6ste Geschichte der Monarchie<\/strong><\/p>\n<p>Eine demokratische Erneuerung lebt von der F\u00e4higkeit zur kritischen Aufarbeitung. Reza Pahlavi hat sich bis heute nicht eindeutig von den zentralen Verbrechen der Monarchie distanziert. Die systematische Folter durch die Geheimpolizei SAVAK, die fl\u00e4chendeckende Repression unter seinem Vater \u2013 all dies wird relativiert oder ausgespart. Dabei handelte es sich nicht um historische Randerscheinungen, sondern um tragende S\u00e4ulen eines autorit\u00e4ren Systems.<\/p>\n<p>Besonders sensibel bleibt der Umgang mit dem Sturz von Premierminister Mohammad Mossadegh im Jahr 1953. Der von CIA und MI6 organisierte Putsch beendete Irans erste demokratisch gew\u00e4hlte Regierung und f\u00fchrte das Land in eine jahrzehntelange Diktatur. W\u00e4hrend westliche Geheimdienste ihre Rolle inzwischen offen einger\u00e4umt haben, fehlt von Reza Pahlavi bis heute eine klare Anerkennung der monarchischen Verantwortung. F\u00fcr viele Iraner ist dies keine akademische Frage, sondern Teil eines kollektiven Traumas.<\/p>\n<p>Hinzu kommen Forderungen nach einem rechtsstaatlichen Verfahren gegen Reza Pahlavi wegen mutma\u00dflich veruntreuter Milliardenbetr\u00e4ge aus staatlichem Verm\u00f6gen. Unabh\u00e4ngig vom juristischen Ausgang spiegeln diese Forderungen ein tiefes gesellschaftliches Misstrauen wider. Sie zeigen, wie pr\u00e4sent die Erinnerung an Machtkonzentration und Privilegienherrschaft geblieben ist. Dass die Tagesthemen all diese Aspekte ausblendeten, l\u00e4sst eine entscheidende Leerstelle zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Herkunft als politisches Argument<\/strong><\/p>\n<p>Reza Pahlavi tritt nicht als neutraler B\u00fcrger auf, sondern als Erbe einer Dynastie. Der Titel \u201ePrinz\u201c ist Teil seines politischen Selbstverst\u00e4ndnisses. Doch Demokratie gr\u00fcndet nicht auf Abstammung, sondern auf Gleichheit und Rechenschaft. F\u00fcr viele Iraner ist genau diese Unterscheidung zentral: Sie wollen nicht die R\u00fcckkehr alter Hierarchien, sondern den Bruch mit ihnen.<\/p>\n<p>Der Widerspruch wird umso deutlicher, wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft. Bereits 1980 erkl\u00e4rte sich Reza Pahlavi selbst zum K\u00f6nig; sp\u00e4ter benannte er eine seiner T\u00f6chter als Nachfolgerin. Diese Episode steht in auff\u00e4lligem Kontrast zu seiner heutigen Berufung auf demokratische Verfahren. Demokratie jedoch ist kein taktisches Versprechen, sondern eine Haltung. Dass dieser Bruch in der Berichterstattung keine Rolle spielte, verst\u00e4rkt den Eindruck einer selektiven Darstellung.<\/p>\n<p><strong>Machtkonzentration statt \u00dcbergang<\/strong><\/p>\n<p>Auch die politischen Konzepte aus dem Umfeld Reza Pahlavis lassen Zweifel an einem demokratischen \u00dcbergang aufkommen. Vorgesehen ist eine starke Konzentration von Macht in einer Person, verbunden mit exekutiven, judikativen und faktisch legislativen Funktionen \u2013 ohne klar definierte Kontrollmechanismen. In einem Land, das Jahrzehnte autorit\u00e4rer Herrschaft hinter sich hat, wirkt ein solches Modell weniger wie ein Neuanfang als wie eine Wiederholung alter Muster.<\/p>\n<p><strong>Inszenierte Popularit\u00e4t und reale Einsch\u00fcchterung<\/strong><\/p>\n<p>Die mediale Pr\u00e4senz Reza Pahlavis speist sich vor allem aus professionellen PR-Kampagnen, digitalen Netzwerken und gezielter Inszenierung. Eine breite gesellschaftliche Verankerung im Iran selbst ist kaum nachweisbar. Gleichzeitig gibt es seit Jahren Berichte \u00fcber Einsch\u00fcchterung und Gewalt gegen andere oppositionelle Gruppen, auch in Europa. Betroffen sind vor allem jene, die f\u00fcr eine republikanische, demokratische Zukunft eintreten.<\/p>\n<p>Seit Jahren ist dokumentiert, dass sogenannte \u201ePr\u00fcgelperser\u201c im Umfeld monarchistischer Gruppen auch in europ\u00e4ischen St\u00e4dten \u2013 darunter in Deutschland \u2013 systematisch andere iranische Oppositionelle angreifen, insbesondere jene, die sich nicht bereit erkl\u00e4ren, \u201eseine Majest\u00e4t hochleben zu lassen\u201c. Diese \u00dcbergriffe richten sich gegen Menschen, die f\u00fcr eine republikanische und demokratische Zukunft Irans eintreten, und dienen der Einsch\u00fcchterung, Marginalisierung sowie der politischen Ausschaltung konkurrierender Stimmen.<\/p>\n<p>Diese Vorf\u00e4lle sind den Sicherheitsbeh\u00f6rden bekannt. Sie geh\u00f6ren zur Realit\u00e4t inneriranischer Exilkonflikte. Dass sie in der Berichterstattung keinerlei Erw\u00e4hnung fanden, tr\u00e4gt zur Verkl\u00e4rung eines politischen Umfelds bei, in dem autorit\u00e4re Praktiken offenbar toleriert werden.<\/p>\n<p><strong>Krieg als Option?<\/strong><\/p>\n<p>Besonders beunruhigend ist die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der Aussagen \u00fcber milit\u00e4rische Interventionen aus dem Ausland pr\u00e4sentiert wurden. In einem Land mit der Geschichte Irans bedeutet eine solche Perspektive nicht Befreiung, sondern das Risiko massiver Zerst\u00f6rung. Der Irak steht als Mahnung im Raum. Dort folgte auf den Sturz einer Diktatur kein demokratischer Aufbruch, sondern Jahre von Gewalt, Instabilit\u00e4t und Leid.<\/p>\n<p><strong>Die vergessenen R\u00e4nder der Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr viele ethnische Gruppen im Iran \u2013 Kurd:innen, Belutsch:innen, Araber:innen \u2013 ist der Name Pahlavi eng mit milit\u00e4rischer Gewalt und Zwangsassimilation verbunden. Ihre Erfahrungen pr\u00e4gen bis heute das Verh\u00e4ltnis zum Staat. Eine mediale Aufwertung dieser Figur wirkt daher nicht verbindend, sondern entfremdend. Sie erschwert den Zusammenschluss jener gesellschaftlichen Kr\u00e4fte, die f\u00fcr einen demokratischen Wandel notwendig w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Tagesthemen haben mit ihrer Darstellung weniger zur Aufkl\u00e4rung beigetragen als zur politischen Vereinfachung. Sie haben eine vielstimmige Gesellschaft auf eine einzelne Figur reduziert \u2013 und damit ein bekanntes westliches Deutungsmuster reproduziert.<\/p>\n<p>Gerade in Zeiten des Umbruchs tr\u00e4gt Journalismus besondere Verantwortung. Er muss Widerspr\u00fcche sichtbar machen, historische Lasten benennen und gesellschaftliche Vielfalt ernst nehmen. Wo er stattdessen Projektionen bedient, riskiert er, Teil des Problems zu werden.<\/p>\n<p>Die Geschichte des Irak zeigt, wohin solche Vereinfachungen f\u00fchren k\u00f6nnen. F\u00fcr den Iran steht zu viel auf dem Spiel, um ihn erneut durch die Linse westlicher Sehns\u00fcchte nach Ordnung und \u00dcbersicht zu betrachten.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hossein Yaghobi<\/strong><br \/>Publizist und politischer Aktivist<\/p>\n<p>Leonberg, 24.Januar 2026<\/p>    <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->        <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_subrow themify_builder_sub_row tf_w col_align_top tb_col_count_1 tb_r1is184\">\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column sub_column col-full tb_j2mb183 first\">\n                            <\/div>\n                    <\/div>\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_subrow themify_builder_sub_row tf_w col_align_top tb_col_count_1 tb_rvb4777\">\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column sub_column tb_wdiv903 first\">\n                            <\/div>\n                    <\/div>\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_subrow themify_builder_sub_row tf_w col_align_top tb_col_count_1 tb_oh0a252\">\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column sub_column tb_w7nv903 first\">\n                            <\/div>\n                    <\/div>\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_subrow themify_builder_sub_row tf_w col_align_top tb_col_count_1 tb_i5fx188\">\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column sub_column col-full tb_0dmf188 first\">\n                            <\/div>\n                    <\/div>\n        <!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_odyv409   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n            <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text --><!-- module text -->\n<div  class=\"module module-text tb_0ax684   \" data-lazy=\"1\">\n        <div  class=\"tb_text_wrap\">\n            <\/div>\n<\/div>\n<!-- \/module text -->        <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_subrow themify_builder_sub_row tf_w col_align_top tb_col_count_1 tb_xhu046\">\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column sub_column col-full tb_y06l47 first\">\n                            <\/div>\n                    <\/div>\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_subrow themify_builder_sub_row tf_w col_align_top tb_col_count_1 tb_9c2n183\">\n                <div  data-lazy=\"1\" class=\"module_column sub_column col-full tb_shf9183 first\">\n                            <\/div>\n                    <\/div>\n                <\/div>\n                        <\/div>\n        <\/div>\n        <\/div>\n<!--\/themify_builder_content-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Berichterstattung der ARD-Tagesthemen vom 23. 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Der Irak ist eines der bekanntesten Beispiele: Auch dort wurde mit Ahmad Dschalabi eine Exilfigur aufgebaut, die Anschlussf\u00e4higkeit versprach, Ordnung suggerierte und am Ende Teil einer politischen Katastrophe wurde. Der Iran sollte nicht auf \u00e4hnliche Weise medial vereinfacht werden.<\/p> <p>Der gegenw\u00e4rtige Aufstand im Iran richtet sich nicht gegen ein einzelnes Regime, sondern gegen ein System politischer Bevormundung.\u00a0<\/p>\n<img src=\"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo.jpg\" title=\"Hebdooooo\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo.jpg 1179w, https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo-291x300.jpg 291w, https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo-993x1024.jpg 993w, https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo-768x792.jpg 768w, https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Hebdooooo-150x150-47x48.jpg 47w\" sizes=\"(max-width: 1179px) 100vw, 1179px\" \/> In sozialen Medien verbreitete Karikatur der franz\u00f6sischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo.\n<p>Er wendet sich gegen die religi\u00f6se Diktatur der Islamischen Republik ebenso wie gegen die autorit\u00e4re Vergangenheit der Monarchie. Seit Jahren bringen Demonstrierende diesen Anspruch unmissverst\u00e4ndlich zum Ausdruck:<br \/><strong>\u201eNein zur Diktatur \u2013 weder Schah noch Mullah.\u201c <\/strong>Wer diesen Ruf ernst nimmt, kann ihn nicht ignorieren, wenn \u00fcber m\u00f6gliche politische Zukunftsentw\u00fcrfe gesprochen wird.<\/p> <p>Gerade deshalb wirkt die Darstellung Reza Pahlavis als zentrale Referenzfigur irritierend. Sie suggeriert Repr\u00e4sentation, wo gesellschaftliche Distanz besteht, und F\u00fchrungsanspruch, wo demokratische Legitimation fehlt. Warum diese Inszenierung nicht nur journalistisch fragw\u00fcrdig, sondern gesellschaftlich problematisch ist, zeigt sich bei genauerer Betrachtung.<\/p> <p><strong>Die ungel\u00f6ste Geschichte der Monarchie<\/strong><\/p> <p>Eine demokratische Erneuerung lebt von der F\u00e4higkeit zur kritischen Aufarbeitung. Reza Pahlavi hat sich bis heute nicht eindeutig von den zentralen Verbrechen der Monarchie distanziert. Die systematische Folter durch die Geheimpolizei SAVAK, die fl\u00e4chendeckende Repression unter seinem Vater \u2013 all dies wird relativiert oder ausgespart. Dabei handelte es sich nicht um historische Randerscheinungen, sondern um tragende S\u00e4ulen eines autorit\u00e4ren Systems.<\/p> <p>Besonders sensibel bleibt der Umgang mit dem Sturz von Premierminister Mohammad Mossadegh im Jahr 1953. Der von CIA und MI6 organisierte Putsch beendete Irans erste demokratisch gew\u00e4hlte Regierung und f\u00fchrte das Land in eine jahrzehntelange Diktatur. W\u00e4hrend westliche Geheimdienste ihre Rolle inzwischen offen einger\u00e4umt haben, fehlt von Reza Pahlavi bis heute eine klare Anerkennung der monarchischen Verantwortung. F\u00fcr viele Iraner ist dies keine akademische Frage, sondern Teil eines kollektiven Traumas.<\/p> <p>Hinzu kommen Forderungen nach einem rechtsstaatlichen Verfahren gegen Reza Pahlavi wegen mutma\u00dflich veruntreuter Milliardenbetr\u00e4ge aus staatlichem Verm\u00f6gen. Unabh\u00e4ngig vom juristischen Ausgang spiegeln diese Forderungen ein tiefes gesellschaftliches Misstrauen wider. Sie zeigen, wie pr\u00e4sent die Erinnerung an Machtkonzentration und Privilegienherrschaft geblieben ist. Dass die Tagesthemen all diese Aspekte ausblendeten, l\u00e4sst eine entscheidende Leerstelle zur\u00fcck.<\/p> <p><strong>Herkunft als politisches Argument<\/strong><\/p> <p>Reza Pahlavi tritt nicht als neutraler B\u00fcrger auf, sondern als Erbe einer Dynastie. Der Titel \u201ePrinz\u201c ist Teil seines politischen Selbstverst\u00e4ndnisses. Doch Demokratie gr\u00fcndet nicht auf Abstammung, sondern auf Gleichheit und Rechenschaft. F\u00fcr viele Iraner ist genau diese Unterscheidung zentral: Sie wollen nicht die R\u00fcckkehr alter Hierarchien, sondern den Bruch mit ihnen.<\/p> <p>Der Widerspruch wird umso deutlicher, wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft. Bereits 1980 erkl\u00e4rte sich Reza Pahlavi selbst zum K\u00f6nig; sp\u00e4ter benannte er eine seiner T\u00f6chter als Nachfolgerin. Diese Episode steht in auff\u00e4lligem Kontrast zu seiner heutigen Berufung auf demokratische Verfahren. Demokratie jedoch ist kein taktisches Versprechen, sondern eine Haltung. Dass dieser Bruch in der Berichterstattung keine Rolle spielte, verst\u00e4rkt den Eindruck einer selektiven Darstellung.<\/p> <p><strong>Machtkonzentration statt \u00dcbergang<\/strong><\/p> <p>Auch die politischen Konzepte aus dem Umfeld Reza Pahlavis lassen Zweifel an einem demokratischen \u00dcbergang aufkommen. Vorgesehen ist eine starke Konzentration von Macht in einer Person, verbunden mit exekutiven, judikativen und faktisch legislativen Funktionen \u2013 ohne klar definierte Kontrollmechanismen. In einem Land, das Jahrzehnte autorit\u00e4rer Herrschaft hinter sich hat, wirkt ein solches Modell weniger wie ein Neuanfang als wie eine Wiederholung alter Muster.<\/p> <p><strong>Inszenierte Popularit\u00e4t und reale Einsch\u00fcchterung<\/strong><\/p> <p>Die mediale Pr\u00e4senz Reza Pahlavis speist sich vor allem aus professionellen PR-Kampagnen, digitalen Netzwerken und gezielter Inszenierung. Eine breite gesellschaftliche Verankerung im Iran selbst ist kaum nachweisbar. Gleichzeitig gibt es seit Jahren Berichte \u00fcber Einsch\u00fcchterung und Gewalt gegen andere oppositionelle Gruppen, auch in Europa. Betroffen sind vor allem jene, die f\u00fcr eine republikanische, demokratische Zukunft eintreten.<\/p> <p>Seit Jahren ist dokumentiert, dass sogenannte \u201ePr\u00fcgelperser\u201c im Umfeld monarchistischer Gruppen auch in europ\u00e4ischen St\u00e4dten \u2013 darunter in Deutschland \u2013 systematisch andere iranische Oppositionelle angreifen, insbesondere jene, die sich nicht bereit erkl\u00e4ren, \u201eseine Majest\u00e4t hochleben zu lassen\u201c. Diese \u00dcbergriffe richten sich gegen Menschen, die f\u00fcr eine republikanische und demokratische Zukunft Irans eintreten, und dienen der Einsch\u00fcchterung, Marginalisierung sowie der politischen Ausschaltung konkurrierender Stimmen.<\/p> <p>Diese Vorf\u00e4lle sind den Sicherheitsbeh\u00f6rden bekannt. Sie geh\u00f6ren zur Realit\u00e4t inneriranischer Exilkonflikte. Dass sie in der Berichterstattung keinerlei Erw\u00e4hnung fanden, tr\u00e4gt zur Verkl\u00e4rung eines politischen Umfelds bei, in dem autorit\u00e4re Praktiken offenbar toleriert werden.<\/p> <p><strong>Krieg als Option?<\/strong><\/p> <p>Besonders beunruhigend ist die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der Aussagen \u00fcber milit\u00e4rische Interventionen aus dem Ausland pr\u00e4sentiert wurden. In einem Land mit der Geschichte Irans bedeutet eine solche Perspektive nicht Befreiung, sondern das Risiko massiver Zerst\u00f6rung. Der Irak steht als Mahnung im Raum. Dort folgte auf den Sturz einer Diktatur kein demokratischer Aufbruch, sondern Jahre von Gewalt, Instabilit\u00e4t und Leid.<\/p> <p><strong>Die vergessenen R\u00e4nder der Gesellschaft<\/strong><\/p> <p>F\u00fcr viele ethnische Gruppen im Iran \u2013 Kurd:innen, Belutsch:innen, Araber:innen \u2013 ist der Name Pahlavi eng mit milit\u00e4rischer Gewalt und Zwangsassimilation verbunden. Ihre Erfahrungen pr\u00e4gen bis heute das Verh\u00e4ltnis zum Staat. Eine mediale Aufwertung dieser Figur wirkt daher nicht verbindend, sondern entfremdend. Sie erschwert den Zusammenschluss jener gesellschaftlichen Kr\u00e4fte, die f\u00fcr einen demokratischen Wandel notwendig w\u00e4ren.<\/p> <p>Die Tagesthemen haben mit ihrer Darstellung weniger zur Aufkl\u00e4rung beigetragen als zur politischen Vereinfachung. Sie haben eine vielstimmige Gesellschaft auf eine einzelne Figur reduziert \u2013 und damit ein bekanntes westliches Deutungsmuster reproduziert.<\/p> <p>Gerade in Zeiten des Umbruchs tr\u00e4gt Journalismus besondere Verantwortung. Er muss Widerspr\u00fcche sichtbar machen, historische Lasten benennen und gesellschaftliche Vielfalt ernst nehmen. Wo er stattdessen Projektionen bedient, riskiert er, Teil des Problems zu werden.<\/p> <p>Die Geschichte des Irak zeigt, wohin solche Vereinfachungen f\u00fchren k\u00f6nnen. F\u00fcr den Iran steht zu viel auf dem Spiel, um ihn erneut durch die Linse westlicher Sehns\u00fcchte nach Ordnung und \u00dcbersicht zu betrachten.<\/p> <p>\u00a0<\/p> <p><strong>Hossein Yaghobi<\/strong><br \/>Publizist und politischer Aktivist<\/p> <p>Leonberg, 24.Januar 2026<\/p>\n\n","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7603","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7603"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7603\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7677,"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7603\/revisions\/7677"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7621"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7603"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7603"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/iran-change.org\/icb\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7603"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}