Der politische Niedergang Reza Pahlavis; vom Höhepunkt im Januar bis zur Erosion im März und April 2026!
Fakten und Analyse – 09. April 2026
Von Sahar Sanaie*
Weniger als drei Monate nach dem propagandistischen Hype um den Schah-Sohn treten die Realitäten allmählich zutage. Dieser Hype wurde durch eine breit angelegte PR-Kampagne erzeugt: mit Fake-Accounts und künstlicher Intelligenz in den sozialen Medien, mit hunderten gefälschten Clips über angebliche Unterstützung für Reza Pahlavi im Iran, mit zur Solidarität aufgerufenen und anschließend für ihn vereinnahmten Demonstrationen sowie mit massiv überhöhten Teilnehmerzahlen. Hinzu kam die gezielte Erzeugung des Eindrucks, Reza Pahlavi genieße die Unterstützung der US-Regierung – obwohl später bekannt wurde, dass viele dieser Inhalte von der Cyberabteilung der Revolutionsgarden produziert und verbreitet worden waren.
Augenzeugen berichteten in den sozialen Medien, dass ihre Teilnahme an einigen Demonstrationen in Solidarität mit den Protesten im Iran missbraucht worden sei. Investigative Berichte deckten die Manipulation der Teilnehmerzahlen auf. Zahlreiche Berichte über die Anwerbung von Personen zur Einschüchterung von Iranern, damit sie den Schah-Sohn unterstützen, enthüllten einen weiteren Skandal. Diese Einschüchterungen gingen so weit, dass ein iranischer Regimegegner in Kanada einen Tag vor einer Gerichtsverhandlung, die im Zusammenhang mit seiner Klage gegen Reza Pahlavi wegen der Drohungen seiner Anhänger stattfinden sollte, ermordet wurde.
Was die Iraner jedoch mehr als alles andere gegen den Schah-Sohn aufbrachte, war die Fortsetzung eines Krieges, den er als „humanitäre Intervention“ bezeichnete, während die Zahl der zivilen Opfer täglich stieg und immer mehr zivile Infrastrukturen angegriffen und zerstört wurden.
Der Economist schrieb am 1. April in einem Artikel über Iran unter Hinweis auf die Kriegsaufrufe Reza Pahlavis und seiner Anhänger, dass mit der Verlängerung des Krieges „viele ins Zweifeln geraten sind“ und „die Kundgebungen inzwischen an Größe verlieren“. Derselbe Bericht fügte hinzu, dass Pahlavi wegen seiner Parteinahme für Israel und seiner Bezeichnung der Bombardierungen als „humanitär“ von einigen als „nützlicher Idiot“ für äußere Kräfte und als Figur mit autoritären Neigungen dargestellt werde.
Ein langer Artikel im New Yorker geht sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnet seine derzeitige Lage als „ultimativen Test für Pahlavis Stellung“. Der Artikel schreibt, der Krieg der USA und Israels sei seine beste Chance in beinahe fünfzig Jahren gewesen, die Herrschaft seiner Familie wiederherzustellen; zugleich habe genau dieser Krieg die Gefahr geschaffen, dass sich sein Bild vom „Anführer einer geeinten Zukunft“ zum „Mitverursacher der Zerstörung seines Landes“ wandle. Im selben Artikel heißt es, Trump und sein Umfeld hätten ihn als „loser prince“ bezeichnet, und eine amerikanische Geheimdienstbewertung sei schon zuvor zu dem Schluss gekommen, dass er im Inneren Irans nicht über ein ausreichendes Netzwerk verfüge, um einen Sturz des Regimes anzuführen.
- Das Platzen der Blase der Unterstützung für den Schah-Sohn
Im Februar wurde im Rahmen einer astronomischen Zahlenschöpfung und einer PR-Kampagne behauptet, an den Demonstrationen in München und Toronto hätten an einem einzigen Tag jeweils 250.000 bzw. 350.000 Menschen teilgenommen. Die Organisatoren folgten dabei der Maxime, dass eine Lüge, je größer sie sei, durch ständige Wiederholung schließlich zu einer allgemeinen Überzeugung werde – zumindest für eine gewisse Zeit.
Um in München die Wahrheit zu erkennen, genügt ein Blick auf diese Fotos:
Das obere Bild zeigt eine Demonstration am 08. Februar 2025 auf der Theresienwiese in München gegen die extreme Rechte, für die damals selbst die höchste Schätzung bei nahezu 200.000 Teilnehmern lag, auch wenn manche sie niedriger einschätzten.
Betrachten Sie nun das untere Bild vom selben Ort am 14.02.2026. Die Anhänger Reza Pahlavis behaupteten, 250.000 Menschen hätten teilgenommen. Diese beiden Bilder sprechen für sich und bedürfen keiner weiteren Erklärung. Die Menschenmenge auf dem zweiten Bild beträgt kaum ein Zehntel der Menge auf dem ersten Bild.
In Toronto wurde ein Video der Polizei breit verbreitet, in dem sie am Tag vor der Veranstaltung erklärte, die Antragsteller hätten eine Demonstration für 350.000 Menschen angemeldet, und erläuterte, wie sich dementsprechend die Verkehrslage in der Stadt gestalten werde. Anschließend wurde diese Zahl unter Berufung auf die Polizei an die Medien weitergegeben, und es wurde lautstark verkündet, dass so viele Menschen teilgenommen hätten.
Die Polizei bestätigte später auf Nachfrage schriftlich, dass die genannte Zahl auf dem Antrag der Veranstalter sowie auf den von ihnen gelieferten Informationen und auf allgemeinen Entwicklungen bei Solidaritätsdemonstrationen für die Menschen im Iran basiert habe.
Doch wie gesagt: Dieser Ballon platzte sehr schnell. Am 1. März schrieb Die Welt, dass in Berlin für eine Kundgebung unter dem Motto „Freiheit für Iran unter der Führung von Prinz Reza Pahlavi“ 5.000 Menschen erwartet worden seien, die Polizei aber nur rund 1.800 registriert habe. Einige Tage später, am 7. März, berichtete die Welt, dass an der Kundgebung der Monarchisten in Berlin an diesem Tag etwa tausend Menschen teilnahmen, obwohl die Versammlung für 2.000 Personen angemeldet worden war. Und am 14. März schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass bei der Demonstration, die von der „Organisation iranische parlamentarische Monarchie“ für tausend Personen angemeldet worden war, lediglich rund 120 Menschen am Wittenbergplatz anwesend gewesen seien. Diese absteigende Kurve – von den Behauptungen über 13.000 in Hamburg über die Wunschzahl 250.000 in München bis hin zu 1.800, tausend und 120 in Berlin – zeichnet ein klares Bild der tatsächlichen Unterstützung für Reza Pahlavi.
Unabhängige Untersuchungen beschränken diesen Rückgang nicht nur auf die „Größe“ beziehungsweise den „Umfang“, sondern sprechen auch von einer sinkenden Zahl der Kundgebungen. Selbst statistische Auswertungen in Berichten der beiden pro-pahlavistischen Propagandasender „Iran International“ und „Manoto“, auf deren Agenda die Überhöhung Reza Pahlavis und seiner Strömung steht, sind aufschlussreich. Nach diesen Berichten wurde für die Aufrufe vom 28. und 29. März 2026 die Gesamtzahl der Teilnehmer in 17 Städten und 12 Ländern für einen Tag auf etwa 9.510 und in 20 Städten und 13 Ländern für den anderen Tag auf etwa 12.630 geschätzt; eine Woche zuvor hatten in 33 Städten und 16 Ländern noch rund 35.410 Menschen teilgenommen – also ein Rückgang von etwa 65 Prozent. Diese Zahlen wurden von Pahlavis Propagandamaschinerie verbreitet, die gewöhnlich mit einem Faktor zehn arbeitet; aber es ist offensichtlich, dass die Lage inzwischen so schlecht ist, dass man selbst mit diesem Faktor keine hohen Zahlen mehr verkünden kann.
- Krieg; von einer politischen Chance zu einem Faktor der Erosion
Der wichtigste Faktor für die Entlarvung des wirklichen Charakters Reza Pahlavis waren seine Stellungnahmen zum Krieg. Der New Yorker schreibt, dass er den Angriff der USA und Israels als eine „humanitäre Rettungsmission“ bezeichnete, während der Himmel über Teheran vom Rauch der Bombardierungen verdunkelt war und ein Angriff bereits am ersten Tag des Krieges mindestens 175 Menschen, überwiegend Kinder, in einer Mädchenschule in Minab tötete. Derselbe Artikel betont, dass Pahlavi sich zu diesem Ereignis nicht äußerte, während zugleich einer seiner wichtigsten Mitarbeiter, Saeed Ghasseminejad, in Interviews und in den sozialen Medien lebenswichtige Öl- und Gasinfrastrukturen als Ziele hervorhob, die im Krieg zerstört werden könnten.
Auch der Economist formuliert diese Kluft sehr deutlich: Je weiter die Zielliste der USA und Israels sich von Machtzentren des Regimes auf nationale Infrastrukturen ausdehnte, desto größer wurden die Sorgen um Familienangehörige und Verwandte im Inneren des Landes. In diesem Kontext wurde Reza Pahlavi vorgeworfen, mehr Mitgefühl für getötete amerikanische Soldaten gezeigt zu haben als für mehr als 1.500 iranische Zivilisten, die bei den Bombardierungen ums Leben kamen. Genau an diesem Punkt empfinden viele Iraner – selbst wenn sie gegen das Regime sind –, dass sie zwischen einer unterdrückerischen Herrschaft und einem äußeren Krieg eingeklemmt sind; und jede Kraft, die den Krieg statt des Mitgefühls mit dem Leid der Bevölkerung als Hebel persönlicher oder politischer Macht betrachtet, verliert rasch ihr gesellschaftliches Kapital.
Hier ist ein wichtiger analytischer Punkt zu nennen: Reza Pahlavi bemühte sich nach außen hin, sich als Führer eines „Übergangs“ darzustellen, tatsächlich aber stützt er sich für den Sturz des Regimes auf den äußeren Krieg. In seiner Rede bei CPAC am 28. März dankte er Trump mehrfach für die Bombardierungen, betonte die Fortsetzung dieses Kurses bis zum „Abschluss der Mission“ und sagte am Ende einen Satz, der symbolisch sehr aufschlussreich war: „Präsident Trump wird Amerika wieder groß machen. Ich beabsichtige, Iran wieder groß zu machen.“ Derselbe Bericht erklärt, dass das Hauptziel dieser Rede darin bestand, seine Botschaft an die Republikanische Partei zu übermitteln und vor der Gefahr eines unvollendeten Sturzprozesses zu warnen.
Das Problem dieser Strategie ist offensichtlich: Ein Sturz ist nicht allein durch Bombardierungen möglich. Der New Yorker stellt schließlich ausdrücklich fest, dass die amerikanische Geheimdienstbewertung davon ausging, dass Pahlavi im Inneren des Landes nicht über ein ausreichendes Netzwerk verfügt, um einen Sturz zu führen, und dass „man, wenn ein Regime geändert werden soll, eine Kraft vor Ort braucht und nicht nur Menschen, die einen mögen.“ Gerade diese Kluft zwischen „symbolischer Popularität“ und „organisierter Kapazität vor Ort“ ist einer der wichtigsten Gründe seines Niedergangs.
Die wiederholten Forderungen Reza Pahlavis nach einer Verschärfung der militärischen Angriffe auf Iran erfolgen in einer Lage, für die es in der iranischen Geschichte keinen Präzedenzfall gibt: dass jemand einen fremden Staat zu einem Angriff auf das eigene Land aufruft. Das Tanzen und Feiern seiner Anhänger – und womöglich auch bezahlter Unterstützer – in verschiedenen Städten der Welt hat im Iran Tag für Tag ein noch abscheulicheres Bild vom Schah-Sohn entstehen lassen.
Iraner in Maschhad sagten: Es ist zutiefst abstoßend, dass die Menschen im Iran Bombardierungen ausgesetzt sind, während Pahlavis Anhänger im Ausland mit Tanz und Jubel zu noch mehr Bombardierungen aufrufen. Sie empfinden es als Schamlosigkeit, dass Reza Pahlavi diesen Krieg einen „humanitären Krieg“ nennt.
- Von „Heute nur Einheit“ zu „Heute nur ich“
Ein zweiter Faktor der Erosion ist der Wandel in Reza Pahlavis Führungsstil und politischer Sprache. Nach Darstellung des New Yorker hatte er sich jahrelang als „einigende“ Figur präsentiert. Doch Mehrdad Youssefiani, sein früherer Büroleiter, sagt, Pahlavis frühere Philosophie habe gelautet: „Heute nur Einheit“; während seine heutige Präsenz in den sozialen Medien das Bild von „Heute nur ich“ vermittelt. Für kritische Adressaten, die in seine Koalition eingebunden werden müssten, ist dies eine imperiale Pose, die zu all seiner Rhetorik über eine inklusive Koalition im Widerspruch steht.
Dieser Wandel beschränkte sich nicht nur auf den Tonfall. Pahlavis „Plattform“ vom August 2025 zeichnet das Bild einer Art zentralisierter Machtarchitektur, in der die gesetzgebende Körperschaft, die Übergangsregierung und die Übergangsjustiz faktisch alle im Schatten des „Führers des nationalen Aufstands“ agieren und ihre Ernennung oder Absetzung ebenfalls seiner Zustimmung unterliegt. Kritiker haben diesen Plan als Beispiel exzessiver Machtkonzentration, fehlender Wahlen, mangelnder Gewaltenteilung und eines autoritären Modells bewertet. Ein Programm, das eher einer langfristigen, personalisierten Übergangsführung ähnelt als einer demokratischen Institutionenbildung – und genau deshalb ist keine demokratische Kraft bereit, mit ihm zusammenzuarbeiten.
- Erosion im eigenen Lager
Ein politischer Niedergang wird erst dann wirklich ernst, wenn seine Anzeichen auch im eigenen Lager sichtbar werden. Die wachsende Liste von Absetzbewegungen und Konflikten unter Pahlavis Anhängern und Vertrauten ist bemerkenswert:
- Hamed Sheibani Rad, Generalsekretär der Partei Iran-e Novin und eine der wichtigsten Figuren im engen Kreis um Reza Pahlavi, wurde aus dieser Position verdrängt. Anschließend bezog Sheibani scharf gegen Pahlavi und dessen Berater Stellung.
- Peyman Behboudi, Leiter des Kanals Radio Gilan, nahm in einem Video gegen sämtliche Aktivitäten Reza Pahlavis und der Monarchisten Stellung.
- Mohammad Rahbar, Mitarbeiter und fester Analyst bei Iran International, äußerte sich in einer Live-Sendung gegen den Krieg und trat zurück.
- Hamid Bayrampour, einer der eifrigsten Unterstützer Reza Pahlavis, stellte in einem Video nach einer Entschuldigung an das iranische Volk sämtliche Aktivitäten Pahlavis infrage, darunter dessen kriegsbefürwortende Positionen und sein fragwürdiges QR-Code-Projekt zur Anwerbung von Elementen aus den Revolutionsgarden.
- Saman, einer der Augenverletzten des Aufstands von 2023 und aus dem Umfeld von Pahlavis Büro, hat sich von ihm abgewandt und inzwischen mehrere Videos gegen die Arbeit und die Mitglieder seines Büros veröffentlicht.
- Behrouz Behboudi, ein früherer Sponsor Pahlavis, der ihm nach eigenen Angaben bislang 20 Millionen Dollar zukommen ließ, betonte in einem Interview mit Exilfernsehen seine Trennung von Pahlavi und sagte: „Weder taugt er etwas noch sind seine Leute anständig.“
Diese Fakten, die hier nur beispielhaft genannt werden, zeigen: Pahlavi verfügt nicht einmal in seinem unmittelbaren Umfeld noch über den früheren Konsens.
Insbesondere die Frage des Drucks auf das Personal von Iran International und die Kriegsfrage spielen bei diesen Absetzbewegungen eine zentrale Rolle. Auch der Economist weist darauf hin, dass Iran International den Krieg und die Rückkehr der Pahlavi-Familie auf den Thron unterstützt; doch je länger der Krieg andauert, desto mehr wird gerade diese mediale Parteinahme für Teile der Basis und des Publikums selbst zu einem Problem. Wenn eine politische Strömung zu ihrem Überleben vollständige mediale Gleichschaltung und das Ausschalten oder Verstummenlassen kritischer Stimmen in ihrem Umfeld braucht, ist das in der Regel kein Zeichen von Stärke, sondern ein Zeichen von Zerbrechlichkeit und Nervosität.
- Verunsicherung des Diasporaraums
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Niedergangs ist das zunehmend sichtbare Bild von Gewalt, Einschüchterung und Lumpenproletariat unter einem Teil der Pahlavi-Anhänger im Ausland. Der Guardian schrieb am 22. März, dass britisch-iranische Bürger ihre Sicherheitsbedenken den Behörden mitgeteilt hätten; unter anderem wegen Online-Videos, in denen Personen in London als „aggressiv“ und „nötigend“ beschrieben wurden. In diesem Bericht spricht Naghmeh Rajabi ausdrücklich von „Vorfällen im Zusammenhang mit diesen Monarchisten und ihrer Einschüchterung“ und erklärt, dass einige von ihnen Ladenbesitzer dazu gedrängt hätten, das Symbol von Löwe und Sonne in ihre Schaufenster zu hängen. Sogar die örtliche Polizei hat auf diese Sorgen reagiert, Gespräche mit der Gemeinschaft und mit Geschäftsinhabern geführt und ihre Streifen verstärkt. Der Guardian verweist außerdem auf eine Petition, die das britische Innenministerium auffordert, Gruppen von Reza-Pahlavi-Anhängern unter dem Gesichtspunkt von Bedrohung und Einschüchterung zu untersuchen.
Dieser Bericht steht im Einklang mit Dokumenten und Schilderungen über Angriffe von Monarchisten auf den „Iran Freedom Congress“ in London sowie über Attacken auf Treffen und Versammlungen anderer Oppositionsströmungen. Mit der Durchführung des Iran Freedom Congress in London setzte eine Welle von Angriffen durch Monarchisten in den sozialen Medien und in Medien wie Kayhan London gegen die Teilnehmer ein. Auch am Rande von CPAC war im Vorfeld dazu aufgerufen worden, dass Pahlavi-Anhänger Plakate gegen die Oppositionsbewegung der Volksmojahedin mitbringen und Kontakte amerikanischer Politiker mit ihnen verhindern sollten. Insgesamt erinnert dieses Bild, statt auf eine „nationale und inklusive“ Strömung hinzuweisen, vielmehr an ein ausgrenzendes, gewalttätiges und gegenüber Konkurrenten intolerantes Milieu.
Berichte von Augenzeugen aus Österreich besagen, dass in Wien Pahlavi-Anhänger Restaurantbesitzer und Geschäftsinhaber aufgesucht und sie unter „Drohung und Druck“ dazu gebracht haben sollen, Fahnen und Bilder Reza Pahlavis anzubringen; diesen Berichten zufolge befasst sich sogar die Polizei mit dem Vorfall.
Dutzende Fälle physischer Angriffe durch monarchistische Angreifer auf Demonstrationen iranischer Oppositionsgruppen im Ausland, die die monarchische Diktatur ablehnten, sind dokumentiert; in vielen dieser Fälle laufen Gerichtsverfahren. Zielscheibe dieser Angriffe waren sowohl Versammlungen unterschiedlicher politischer Strömungen als auch ethnischer Nationalitäten.
- Der Mordfall Masoud Masjoudi; ein dunkler Punkt
Auch der Mordfall Masoud Masjoudi in Kanada ist, ungeachtet des endgültigen juristischen Ausgangs, zu einem ernsthaften Makel im Umfeld der pahlavistischen Netzwerke geworden. Masoud Masjoudi, Mathematikdozent an der Simon Fraser University und ein offener Kritiker sowohl der Islamischen Republik als auch Reza Pahlavis, verschwand am 2. Februar; am 6. März wurden seine sterblichen Überreste in Mission, British Columbia, gefunden. Die Polizei bezeichnete den Fall von Anfang an als „gezielt“. Am 13. März wurden dann zwei Personen, Mehdi Ahmadzadeh Razavi und Arezou Soltani, wegen Mordes ersten Grades festgenommen. In Gerichtsunterlagen, darunter in einer eidesstattlichen Erklärung, wurde behauptet, dass bei einem Treffen zwischen diesen beiden darüber gesprochen worden sei, wie man Masjoudi „zum Schweigen bringen“ könne, und dass sogar von einer „Substanz“ die Rede gewesen sei, mit der man ihn beseitigen könne.
Außerdem hatte Masjoudi laut einem Bericht von Canadian Press diese beiden Personen als Mitglieder einer Gruppe namens CIWF und als Unterstützer Reza Pahlavis bezeichnet. Masjoudi selbst hatte zuvor gegen Reza Pahlavi Klage wegen Verleumdung, Belästigung und einer Art koordinierter Kampagne eingereicht. In dem Bericht von Canadian Press, der auf eidesstattlichen Erklärungen beruhte, heißt es, Masjoudi habe Arezou Soltani einer „Ausrichtung auf das iranische Regime“ und Mehdi Ahmadzadeh Razavi einer Art „Loyalität gegenüber iranischen Geheimdiensten“ beschuldigt. In seiner Korrespondenz hatte er betont, Ahmadzadeh Razavi und Soltani seien Mitglieder einer Gruppe namens Canadian Iranian Wakuppers Foundation (CIWF) und unterstützten Reza Pahlavi. Auch dies ist ein weiteres Anzeichen für eine mögliche Infiltration des iranischen Geheimdienstes in den Kreis der engen Unterstützer Reza Pahlavis.
Masjoudi hatte zuvor bereits gegen Reza Pahlavi geklagt. Er warf Reza Pahlavi und einigen Personen aus dessen Umfeld oder mit Bezug zu diesem Umfeld Verleumdung, Belästigung und eine koordinierte Kampagne gegen ihn vor. Die Gerichtsverhandlung zu seiner Klage gegen Reza Pahlavi sollte am Tag nach seinem Verschwinden stattfinden.
Auch wenn sein Mord bis zu diesem Zeitpunkt weder offiziell noch gerichtlich als „politisch“ eingestuft worden ist, gibt es doch gewichtige Hinweise, die den Fall als politisch oder zumindest mit politischen Feindseligkeiten durchsetzt erscheinen lassen. Die öffentlich bekannten Unterlagen zeigen vor allem seinen heftigen Konflikt mit einigen Personen in monarchistischen Kreisen sowie seine Vorwürfe gegen manche Akteure aus diesen Kreisen, dem iranischen Regime oder dessen Geheimdiensten nahezustehen. (Quellen: Guardian, Deutsche Welle Farsi, Canadian Press, Toronto City News, The Breaker News)
- Die Kälte Washingtons
Vielleicht der wichtigste Indikator des Niedergangs auf internationaler Ebene ist das Misstrauen Washingtons. Als Trump gefragt wurde, ob Pahlavi eine Option für die künftige Führung Irans sei, antwortete er: „Einige mögen ihn.“ Er fügte jedoch sofort hinzu, dass seiner Ansicht nach „jemand von innen“ womöglich geeigneter wäre. Auch der New Yorker schrieb, dass die amerikanische Geheimdienstbewertung zu dem Schluss gekommen sei, dass er im Inneren des Landes nicht über ein ausreichendes Netzwerk verfüge und dass die amerikanische Regierung ihn nie wirklich ernst genommen habe. In demselben Artikel wird ein Iran-Experte mit den Worten zitiert, dass es einen Unterschied gebe zwischen einer Organisation vor Ort und bloß Menschen, die einen mögen.
Laut Politico vom 23. März 2026 sagten zwei Vertreter der US-Regierung auf die Frage, ob man „Reza Pahlavi jetzt im Iran einsetzen“ solle: „Auf keinen Fall, nein … Er ist im Ausland aufgewachsen. Das ist das Letzte, was man dort braucht. Das würde ins Chaos führen … Pahlavi steht überhaupt nicht zur Debatte.“ Wie auch immer: Die Summe dieser Positionen sagt eines deutlich aus: Pahlavi ist nicht nur nicht Washingtons Endoption, sondern gilt nicht einmal als eine ernsthafte und verlässliche Option.
- Die Frage der Nationalitäten und die Sprache der Ausgrenzung
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Reza Pahlavis Positionen gegenüber den iranischen Nationalitäten, insbesondere den Kurden. Am 22. Februar 2026 erklärten die fünf wichtigsten Parteien des iranischen Kurdistan in einer gemeinsamen Allianz im Kampf gegen das Mullah-Regime, dass sie die Errichtung eines demokratischen und säkularen Systems anstrebten, das die Rechte der Nationalitäten und der Angehörigen verschiedener Religionen garantiert.
- Februar 2026 – Versammlung zur Bekanntgabe der Allianz der fünf iranisch-kurdischen Parteien
Reza Pahlavis Reaktion auf dieses Bündnis bestand darin, diese Parteien als „Separatisten“ zu bezeichnen und zu warnen, dass er sie in Zukunft – also für den Fall, dass er an die Macht käme – mit der iranischen Armee unterdrücken werde. Als Reaktion darauf bewertete das kurdische Bündnis diese Haltung als Ausdruck einer neofaschistischen und sicherheitsstaatlichen Denkweise, die sich strukturell kaum von den repressiven Regimen der Vergangenheit und Gegenwart Irans unterscheidet.
Aus politischer Sicht sind solche Positionen für jemanden, der sich als „nationale“ und „inklusive“ Alternative darstellen will, äußerst kostspielig. In einem Land mit ethnischer, sprachlicher und religiöser Vielfalt führt die Sprache der Etikettierung als „Separatisten“ und die Drohung mit „künftiger Unterdrückung“ nicht nur nicht zu einer Annäherung, sondern verstärkt das Misstrauen der Nationalitäten, ethnischen Gruppen und eines großen Teils der demokratischen Kräfte. Genau hier erhält der Slogan „Weder Schah noch Scheich“ für einen Teil der Gesellschaft erneut seine Bedeutung: nämlich als gleichzeitige Zurückweisung sowohl der religiösen Tyrannei als auch der Wiederkehr monarchischer Autoritätsherrschaft.
Zusammenfassung
Die breit angelegte Propaganda, Reza Pahlavi als Führer der Opposition zu etablieren, zerfiel in weniger als zwei Monaten aus mehreren Gründen:
– Erstens repräsentiert er die Vergangenheit, nämlich die Diktatur seines Vaters.
– Zweitens fehlt es ihm an einer realen Organisation und einer tatsächlichen Basis im Inneren Irans.
– Drittens hat er sich offen mit dem äußeren Krieg identifiziert und war nicht in der Lage, sich moralisch und politisch von der Bombardierung des Landes zu distanzieren.
– Viertens zeigt sich ein zunehmender Autoritarismus in seiner Sprache und seinem politischen Programm.
– Fünftens kam es zu Absetzbewegungen im Kreis seiner Nahestehenden und Unterstützer.
– Sechstens verdichtet sich das Bild von Gewalt und Einschüchterung unter einem Teil seiner Anhänger im Ausland.
Infolgedessen scheiterte seine breit angelegte und kostspielige Lobbykampagne zur Gewinnung Washingtons, und am Ende blieb ihm die Bezeichnung „loser prince“.
Einfacher gesagt: Reza Pahlavi setzte mit aller Kraft auf den Beginn eines Krieges durch die USA und Israel – selbst um den Preis der Bombardierung ziviler Einrichtungen und ziviler Opfer –, doch heute räumen alle ein, dass ein Regimewechsel nicht durch Luftangriffe herbeigeführt wird. Aus der Sicht vieler Iraner wollte Reza Pahlavi zur Macht gelangen, indem er Krieg forderte, und ließ durch seine Berater sogar Angriffe auf zivile Einrichtungen propagieren. Deshalb mag er in der Propaganda noch immer stark präsent sein; in den Augen vieler Menschen im Iran aber gilt er, wenn er früher nur der Sohn eines Diktators war, heute als ein „Verräter“.
Sahar Sanaei ist Expertin für Iran und Menschenrechtsfragen mit besonderem Schwerpunkt auf der Menschenrechtslage und politischer Repression im Iran. Seit 2016 nimmt sie regelmäßig an den Sitzungen des UN-Menschenrechtsrats in Genf teil und verfolgt dort im Austausch mit diplomatischen Delegationen die Menschenrechtsentwicklung im Iran. Zudem ist sie als Analystin und Autorin zu Iran-Themen tätig und gilt als profilierte Ansprechpartnerin zu Iran und Menschenrechten.
